Mittwoch, 9. Dezember 2009

Recanati

Liebe Leser, wenn Ihr glaubt, ich komme wieder nach Berlin, bevor dort alles grün ist und blüht, dann habt Ihr Euch getäuscht. Und dann noch als Abschied so ein lapidarer Halbsatz! Es war einfach der Hektik geschuldet, nachdem der erste Post nicht gespeichert wurde und ich alles noch einmal schreiben, einfügen und bearbeiten musste. Ich habe den fehlenden Teil jetzt kursiv ergänzt.
Die Fotos sollten Euch zeigen, dass das Wandern an der Küste nicht so weiter geht und ich nach Alternativen suchen muss. Ich bin bei solchen Sachen dickköpfig, wenn ich hier lang will, gehe ich hier lang. Es dauert bis ich merke, dass es nicht geht. Die Alternative war gefunden und bestand im Wandern durch das bergige Hinterland. Das kostet Zeit und Kraft und ist bei genauer Betrachtung auch nicht möglich. Alle Straßen führen aus dem Hinterland an die Küste und verbinden sich dann mit der ss16 oder der Autobahn. Also: Seume, ich folge dir! Es geht in den nächsten Wochen nach Neapel und dann mit dem Schiff nach Palermo. Der Rückweg ist dann Fußweg. Mal sehen, wie lange diese Planung Bestand hat.

Nach dem unfreiwilligen aber sehr willkommenen Tag in Ancona ging es gestern über die Hügel hinaus aus der Stadt. Auf sehr kleinen Landstraßen führte der Weg wieder an die Küste zurück und endete mit 6km Strandstraße in Porto Recanati.
In den Bergen zeigte sich ein neues Problem. Da ich ja keine Karte habe, laufe ich mit der googlemaps -Liste. Die hilft mir hier auch nur begrenzt. Zum Beispiel kam ich durch die Gemeinde Varano. Alle Straßen, die in die frazione Varano führen oder von diesen abzweigen heißen via frazione Varano. Klasse; das ganze Gebiet um einen Ort hat den gleichen Straßennamen. Eine weitere Schwierigkeit: google hat mir einen Weg vorgeschlagen, der über Privatbesitz geht. Das mir, der nicht mal bei Rot über die Straße geht! Da der Umweg aber nicht zu realisieren war, habe ich all meinen Mut zusammengenommen und bin los. Ich musste dabei an Jacqueline denken, die gesagt hat: "Lass dich bloß nicht von einem Bauern in seinem Olivenhain erschießen!" Wenn es denn wenigstens Oliven gewesen wären. Ich folgte einem Ziegenpfad durch hüfthohes Gestrüpp und war heilfroh, als ich wieder auf öffentlicher Straße war.

Mein lehmiger Ziegenpfad
In den Bergen traf ich ein junges Pärchen, das mir den Weg zeigte und auf dem Weg in den Ort kamen wir ins Plaudern. Üblicherweise besteht das Plaudern in Fragen ihrerseits und italienisch-englische Antworten meinerseits. Sie wollten mich noch zum Essen einladen, aber zu mehr als einem Kaffee reichte die Zeit nicht. Die beiden waren vor einigen Wochen in Berlin zur Feier des 20. Jahrestages des Mauerfalls. Beide sind von Berlin begeistert. Der junge Mann wird im März mit dem Studium fertig und überlegt, was er dann in der Zeit bis zum Job Spektakuläres machen kann. Vielleicht hätte ich ihn zum Wandern einladen sollen, ich komme um diese Zeit ja wieder hier vorbei.

Das gestrige Hotel hat eine einmalige Lage, es liegt nämlich direkt am Meer. Und damit ist direkt gemeint. Hinter dem Haus ist eine Terrasse und dann kommt das Meer- Blick aus meinem Fenster.

Die Planung bekam schon gestern Abend Risse, als ich ungläubig auf meine schrumpfende Liste der Hotels in 20-30 km Entfernung sah. Alle Hotels sind ausgebucht, gibt es doch gar nicht! Um kurz vor Mitternacht hatte ich nichts in der Hand, kein Hotel, keine Route. Ich zog die Reißleine und beschloss, in meinem menschenleeren Hotel einen weiteren Tag zu bleiben und zu planen. Denkste! Das Hotel, in dem ich beim Frühstück der einzige Gast bin, ist heute restlos ausgebucht. Die Erklärung ist in knapp 10 km Entfernung zu finden.
Heute ist der Tag der Madonna von Loreto, deshalb ist kein Hotelbett mehr frei. Es regnete und war diesig, dadurch ist die tolle Anlage nicht wirklich gut abgebildet.
Ich finde morgens um 8 dann doch noch ein Hotel und bin deshalb nur 11km gewandert.


Recanati nennt sich die Stadt der Poesie. Hier ist der in Italien weltberühmte Dichter Giacomo Leopardi geboren worden, außerdem der Sänger Beniamino Gigli. Außerdem wird hier die weltbekannte EKO Gitarre produziert. Das zumindest habe ich heute Abend beim Essen gelesen. Ich war wahrscheinlich in der schlechtesten Pizzeria Italiens.
Die Altstadt ist schön überschaubar.
Das Tollste ist der Blick aus meinem Hotelfenster auf die Stadt, die Marken und die Sbillinischen Berge im Hintergrund.


Bis die Tage! Thomas

Dienstag, 8. Dezember 2009

Technik, die versagt

Ihr Lieben, es geht weiter! Nicht diese WANDERUNG wird beendet, sondern DIESE Wanderung an der Küste. Weitere Erklärungen folgen, wenn die neue Route fertig ist. Gute Nacht und Danke für die tröstenden Worte und die Wünsche! Thomas

Sonntag, 6. Dezember 2009

Nikolaus in Ancona


Zweiter Advent
Il mio computer portatili è rotto.
Nach einer großen Virensuche erklärte mir McAfee, dass nun wieder alles in Ordnung sei. Gestern jedoch konnte ich feststellen, dass McAfee mich angelogen hatte. Zum Glück gibt es 30m neben meinem Hotel eine kleine PC-Werkstatt und der junge Mann dort hat heute keinen Brückentag genommen (wie halb Italien), da morgen hier Feiertag ist. In zwei Stunden hatte ich wieder einen funktionierenden PC und alle Daten waren gerettet. Computer also nicht mehr rotto sondern reparato. Italienisch kann so einfach sein. Ich hatte mir gestern Abend auf dem Weg aus der Stadt ins Hotel bereits die Frage gestellt, warum ich hier nicht einen Tag länger bleibe; so kann es kommen. Der Weg von Pesaro nach Senigallia wurde wieder einmal mit der Eisenbahn zurück gelegt. 33 km bei Regen und Sturm auf einer Schnellstraße waren nicht mein Traum und ich ließ es sein. So blieb Zeit für Senigallia, die Stadt, aus der zwei Päpste stammen und die zeitweise Hauptstadt des Kirchenstaates war.
Einer von beiden war Julius II., dem Michelangelo den Auftrag zur Ausmalung der Sixtinischen Kapelle verdankte.
Ich hatte viel Zeit, mir das Kastell anzusehen und das Hotel zu genießen.
Die Seebrücke von Senigallia ist ein Bau aus dem Jahre 1933, kürzlich renoviert und als Theater und Variete genutzt. Am Samstag trat dort Circus Cirkör auf, eine schwedische Eigenvariante des Cirque du Soleil. Die Truppe wohnte in meinem Hotel, leider ist mir der Flyer zu spät aufgefallen.
Gestern ging es dann hier nach Ancona und langsam wird die Verkehrssituation bizarr.
Ich musste 2km direkt auf dem "Strand" laufen, durch eine Eisenbahnlinie und eine Schnellstraße vom Hinterland getrennt. Bereits vorher verlief nur eine schmale Straße neben dem Strand,
hinter der ersten Häuserzeile
fährt die Bahn, dahinter die Schnellstraße und oben am Hügel ist die Autobahn zu sehen.
Oben links, in gerader Linie über dem Kombi, ist ein weißer Kastenwagen auf der Autobahn zu erahnen. In dieser Art zieht sich das die ganze Küste bis nach Bari runter.
Ancona breitet sich auf einer Landzunge die Hügel hinauf aus. Es hat einen sehr betriebsamen Fährhafen, ein gutes Dutzend Kirchen, und 2500 Jahre Geschichte, die an allen Ecken sichtbar wird. Auf dem Hügel mit der besten Sicht auf die Stadt steht weithin sichtbar der Dom.
Auf dem Weg dahin kommt man an Stellen vorbei, wo die Geschichte in Schichten sichtbar wird. Hier werden die Ausgrabungen am römischen Amphitheater weitergeführt und unter all den Häusern und Kellern kommt unter dem Straßenbelag eine alte römische Straße hervor, zu erkennen an dem weißen Fleck in der linken Bildmitte.
Natürlich herrschte auch in Ancona ausgelassene Volksfestatmosphäre am Adventssontag. Auf den Plätzen waren Stände und eine Eisbahn aufgebaut und ganze Großfamilien gingen im Sonntagsstaat die Einkaufstraßen auf und ab.
Nun bin ich also seit genau 3 Monaten unterwegs, habe 49 tatsächliche Wandertage mit 1350 km hinter mich gebracht (die genaue Zahl ist in meiner Exceltabelle und Excel ist nicht mehr), habe dabei fast 2500 Fotos gemacht und in 55 verschiedenen Hotels geschlafen. Bereits auf dem Weg nach Ancona habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich höre mit dieser Wanderung auf. Es ist dann doch zu gleichförmig und inzwischen auch zu gefährlich geworden. Also dann heißt es Abschied nehmen von der Adria und einen Weg durchs Hinterland suchen. Ich werde dadurch zwar noch länger unterwegs sein, aber der Weg ist ja das Ziel.
Noch eine Anmerkung zu allgemeinen Wirtschaftslage in Zeiten der Globalisierung, der versiegenden Rohstoffquellen und des Klimawandels. (Vier Schlagworte in einem Satz!) Die hiesigen Automobilhersteller sind natürlich gegen die Auswirkungen nicht immun und müssen reagieren. Während aber in Deutschland immer noch eine Superduper-S-Klasse oder ein saufendes SUV vorgestellt wird, geht man hier recht ungewöhnliche Wege. Ob das eine echte Alternative für alle Beschäftigten ist, wage ich zu bezweifeln.


Wir haben übrigens eine Gewinnerin des Bilderrätsels. Nicht nur, weil sie als Einzige die Lösung eingereicht hat, sie hat es auch noch besonders schön gestaltet. Hier ist also die Lösung von Nic, herzlichen Glückwunsch! Jetzt musst Du Dir nur noch aussuchen, woher die Karte kommen soll und mir mitteilen wohin.
Leider ist das Bild inzwischen so komprimiert, das es selbst zum Ratebild wird. Deshalb noch einmal schriftlich:
1. Lampe am Gebäude oben links 2. Dachfenster am oberen Bildrand 3. der Schal des Mannes in der oberen Etage 4. ein hängender Bilderrahmen fehlt 5. der Mann vor dem Schaufenster trägt sein Haar über dem Ohr 6. der Name des Geschäftes 7. ein Bild ist von mir gekritzelt, im rechten Schaufenster 8. im Oberlicht fehlt ein Lichtreflex 9. das Bild das der Mann ansieht 10. die Lampe ganz rechts im Laden
Bis demnächst Thomas

Freitag, 4. Dezember 2009

Pesaro


Nun also Pesaro, der Geburtsort des „Schwanes von Pesaro“, nach dem man hier natürlich eine Straße, in der sein Geburtshaus steht,
das Theater
und das Konservatorium benannt hat – Rossini. Warum Schwan von Pesaro? Ich weiß es nicht und zum Nachschlagen fehlt mir der Elan.
Seit zwei Tagen fiel die Temperatur und heute dann auch noch Regen. Ich hatte heute den Weg von Gabicce Mare über die Berge (maximale Höhe war 177 Meter) nach Pesaro vor mir. Eine kleine, enge Straße mit fiesen Kurven (konnte man schon bei googlemaps sehen) und dann auch noch Regen. Das ist wie ein Sechser mit Zusatzzahl. Aber wie sagte der große Denker Forrest Gump so treffend: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen…
Ich hatte gerade Gabicce Monte erreicht, da hörte es auf zu regnen. Es nieselte so etwas unentschlossen den ganzen Tag, aber das ließ sich aushalten.
Der absolute Knaller war aber die Straße, die ich komplett für mich hatte (ein Auto auf einen Wanderkilometer).
Entlang des Weges werden Wein und Oliven angebaut, Tamarisken, Brombeeren und Ginster überwuchern die Ränder.
Entweder man hatte einen herrlichen Blick auf das trübgraue Meer und dafür das erste Mal seit einer ganzen Weile eine himmlische Ruhe, oder man konnte ins Tal und auf die Berge sehen (theoretisch) und hörte das stetige, aber leise Rauschen der ss 16. Diese Straße verbindet Gabicce Mare und Pesaro auf 13 km Strecke, ich lief 22km. Das zeigt auch, dass ich solche Aktionen nicht immer machen kann, sonst bin ich Ostern noch nicht unten.
Der Weg von Rimini nach Gabicce war wie die zwei Tage zuvor auch ohne besondere Höhepunkte, ein paar Bilder gibt es noch vom Strand.
Pesaro hat seit den frühen 70er Jahren eine Großplastik von
Alfredo Pomodoro (klingt ganz anders als Alfred Tomate) am zentralen Punkt der Promenade aufgestellt, die 68 auf der Expo in Montreal gezeigt wurde.
Ende der 90er wurde die Polyestertomate durch diese Bronze ersetzt (oder wie es so schön übersetzt war: "Das Schaffen wurde in Kupfer Fusion ersetzt").

Pesaro hat natürlich auch wieder einen Dom, der eine Besonderheit aufweist. Bei Sanierungsarbeiten im 19. Jh. wurde nicht nur die romanische Fassade gerettet sondern auch entdeckt, dass unter der Kirche auf zwei verschiedenen Ebenen Mosaikböden existieren. Der unterste nur in wenigen Stücken, der darüber liegende aber ist 600 m² groß. In der Kirche sind durch Glasböden einige Ausschnitte davon zu bewundern. Rossini wurde 1792 hier geboren, das Theater 1815-16 gebaut. Ob hier auch Werke Rossinis zur Uraufführung kamen, weiß ich nicht, benannt wurde das Theater erst 1855 nach ihm.
Drei Nachträge:
1. Wikipedia (was wäre ich nur ohne sie!) sagt, dass Stachelschweine nur in tropischen und subtropischen Gegenden vorkommen. Seltsamerweise existiert eine Population in der Gegend von Siena, keiner weiß, wie die dahin gekommen ist. Mein Schwein muss sich mächtig verlaufen haben.
2. Ich habe bisher keine Lösung vom Rätsel mit den Unterschieden erhalten. Nic, ich denke, Du hast alle gefunden? Am Nikolaustag ist Emailschluss.
3. Liebe Uta, hier kommt keine Langeweile auf. Im Gegenteil, ich bin froh wenn ich alles schaffe. Nimm nur den heutigen Tag: Ankunft im Hotel kurz vor 3, um halb 4 durch die Stadt getigert, Fotos gemacht, Caffè getrunken, um halb 6 im Zimmer, Post schreiben, Fotos sortieren und komprimieren, In der Halle den Post einstellen, korrigieren und die Bilder einfügen. Jetzt geht es zum Essen, dann ist Streckenplanung und Hotelsuche angesetzt und morgen klingelt der Wecker um halb 7. Du siehst, viel Zeit bleibt da nicht. Aber es ist toll und davon mehr am Sonntag! Thomas

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Rimini


Wenn ich nun ein ordentlicher, systematischer Reisender wäre, so hätte ich von Rimini rechts hinauf in die Berge gehen sollen, um die selige Republik Sankt Marino zu besuchen; zumal, da ich eine kleine Liebschaft gegen die Republiken habe, wenn sie auch nur leidlich vernünftig sind. Johann Gottfried Seume

Nun, Herr Seume hatte es auch nicht ganz so bequem wie ich, der ich heute in den Bus nach San Marino stieg. Nach vier Wochen Italien wollte ich einfach mal raus aus dem Land und was anderes sehen.
„Alljährlich besuchen Millionen Menschen die steilen, von emsigem Leben erfüllten Gassen San Marinos und besetzen friedlich die historischen Bauten der alten Republik:…“ Soweit das Faltblatt „Die Museen von San Marino“. An anderen Tagen muss ja hier die Hölle los sein, heute waren nur gut ein Dutzend Touristen am Vormittag unterwegs.
Der Dom

Die Republik liegt auf dem Monte Titano, zumindest der historische Teil und damit alle Sehenswürdigkeiten.


Die Verteidigung übernahmen die drei Türme (Festungen), die man besichtigen kann. Es gibt außerdem eine Gemäldesammlung, zwei Waffenmuseen, eine Folterkammer und ein Museum der Kuriositäten. Auch eine Ferrarisammlung kann bestaunt werden. Daneben leistet sich die Republik eine kleine, aber geschmacklose Sammlung scheußlicher Plastiken, die fast ausschließlich leicht oder gar nicht bekleidete Frauen darstellen. (Das scheußlich bezieht sich ausschließlich auf die künstlerische Darstellung!) Nachdem ich an den beiden vergangenen Tagen fast spätsommerliche Temperaturen hatte, war heute davon nur noch die Hälfte übrig. Ich hatte um die Mittagszeit genug gesehen und gefroren und fuhr zurück. Das Ganze kommt einem auch irgendwie unwirklich vor. So wie Mont St. Michel oder Rothenburg ob der Tauber: es ist einfach zu ordentlich und sauber und es existiert kein einziges normales Geschäft, nur Nippes und Budenzauber.

Vor drei Tagen:
Der Weg von Ravenna führte erst einmal zum Bahnhof, um die Tagesstrecke auf verträgliche 25km zu verkürzen.

Ein warmer aber heftiger Wind aus südlicher Richtung, Temperaturen über 15°C.

Alsdann ging es am Meer entlang nach Cesenatico.

Das war dann doch kälter als erwartet!

In der Ganz-Da-Neben-Saison kann man schon mal die Puppen im Grandhotel tanzen lassen und sich gut betten.


Nein, im Ernst, mein Hotel stand um die Ecke und hatte drei Sterne, für jede Etage einen.
Der Ort hat neben vielen Übernachtungsmöglichkeiten noch einen kleinen Rest, der ahnen lässt, wie das Fischerdorf mal ausgesehen hat.


Leonardo soll den Flusshafen hier entworfen haben, ein Stückchen konservierter Hafenmauer existiert noch.


Auf dem Weg vorgestern überschritt ich den Rubikon ohne die Würfel fallen zu lassen. Interessant (DANK, Wikipedia, danke) ist, dass der historische Rubikon gar nicht so klar auszumachen ist. Das Flüsschen hier hat seinen Namen von Mussolini erhalten.

Rimini hat nach dem bedeutendsten Sohn der Stadt den Flughafen und einen Park benannt –Federico Fellini.


In der Stadt gibt es ein Café, gleich am Bahnhof, das den Namen seines vielleicht bekanntesten Filmes trägt „Otto e mezzo“, oder bei uns „ 8 ½“.


Auch hier in Rimini wieder die Überraschung: eigentlich hatte ich nur Hotels, Hotels und Hotels erwartet, wie den ganzen Tag schon entlang der Straße von Cesenatico hierher. Aber die Stadt hat einen sehr sehenswerten Stadtkern, der weihnachtlich geschmückt ist.

Der Dom hat eine vorgesetzte Renaissancefassade, die nie vollendet wurde,

es gibt eine Brücke aus der Zeit des Kaisers Tiberius,

die heute noch benutzt wird und einige eindrucksvolle Plätze.

Augustus-Tor

Ist es mir gestern in Rimini schon aufgefallen, so war es in San Marino noch deutlicher: diese Ecke Italiens ist die Heimat für viele Russen geworden. In der Stadt hat man das Gefühl, jeder Zweite spricht russisch. Ich habe heute im Café in San Marino im Gespräch mit der Barfrau mein Russisch hervorgekramt. Erstaunlich, was einem noch alles einfällt.


Als ich hier ankam, hatte ich ein Problem. Ich hoffte, dass die Buchläden oder die Touristeninformation mir weiter helfen können, konnten sie aber nicht. Es ist verblüffend; 20km südlich fangen die Berge und damit eine neue Provinz an und in den Büros gibt es kein Kartenmaterial, keinen Wanderführer, nichts was die Provinzgrenzen überschreitet. Ich verlasse jetzt die Emilia Romagna und wandere durch die Marken. Ich habe mir also selbst beholfen und die Etappe über die Berge geplant. Für die Anstrengungen belohne ich mich mit weiteren ****Hotels, deren Preise alle deutlich unterhalb meiner Budgetgrenze liegen. Ich folge Seumes Spuren weiter nach Ancona, wobei er hier auf ein Gefährt umgestiegen ist, wenn ich das richtig gelesen habe. Ich nicht und übermorgen geht es in die Berge

Heute auf der Burg in San Marino. Wahrscheinlich sind eh wieder wir Lehrer daran Schuld.
Kommt gut hin, der nächste Post kommt spätestens zum 2. Advent. Thomas