Die Fotos sollten Euch zeigen, dass das Wandern an der Küste nicht so weiter geht und ich nach Alternativen suchen muss. Ich bin bei solchen Sachen dickköpfig, wenn ich hier lang will, gehe ich hier lang. Es dauert bis ich merke, dass es nicht geht. Die Alternative war gefunden und bestand im Wandern durch das bergige Hinterland. Das kostet Zeit und Kraft und ist bei genauer Betrachtung auch nicht möglich. Alle Straßen führen aus dem Hinterland an die Küste und verbinden sich dann mit der ss16 oder der Autobahn. Also: Seume, ich folge dir! Es geht in den nächsten Wochen nach Neapel und dann mit dem Schiff nach Palermo. Der Rückweg ist dann Fußweg. Mal sehen, wie lange diese Planung Bestand hat.
Nach dem unfreiwilligen aber sehr willkommenen Tag in Ancona ging es gestern über die Hügel hinaus aus der Stadt. Auf sehr kleinen Landstraßen führte der Weg wieder an die Küste zurück und endete mit 6km Strandstraße in Porto Recanati.
In den Bergen zeigte sich ein neues Problem. Da ich ja keine Karte habe, laufe ich mit der googlemaps -Liste. Die hilft mir hier auch nur begrenzt. Zum Beispiel kam ich durch die Gemeinde Varano. Alle Straßen, die in die frazione Varano führen oder von diesen abzweigen heißen via frazione Varano. Klasse; das ganze Gebiet um einen Ort hat den gleichen Straßennamen. Eine weitere Schwierigkeit: google hat mir einen Weg vorgeschlagen, der über Privatbesitz geht. Das mir, der nicht mal bei Rot über die Straße geht! Da der Umweg aber nicht zu realisieren war, habe ich all meinen Mut zusammengenommen und bin los. Ich musste dabei an Jacqueline denken, die gesagt hat: "Lass dich bloß nicht von einem Bauern in seinem Olivenhain erschießen!" Wenn es denn wenigstens Oliven gewesen wären. Ich folgte einem Ziegenpfad durch hüfthohes Gestrüpp und war heilfroh, als ich wieder auf öffentlicher Straße war.
Mein lehmiger Ziegenpfad
In den Bergen traf ich ein junges Pärchen, das mir den Weg zeigte und auf dem Weg in den Ort kamen wir ins Plaudern. Üblicherweise besteht das Plaudern in Fragen ihrerseits und italienisch-englische Antworten meinerseits. Sie wollten mich noch zum Essen einladen, aber zu mehr als einem Kaffee reichte die Zeit nicht. Die beiden waren vor einigen Wochen in Berlin zur Feier des 20. Jahrestages des Mauerfalls. Beide sind von Berlin begeistert. Der junge Mann wird im März mit dem Studium fertig und überlegt, was er dann in der Zeit bis zum Job Spektakuläres machen kann. Vielleicht hätte ich ihn zum Wandern einladen sollen, ich komme um diese Zeit ja wieder hier vorbei.
Das gestrige Hotel hat eine einmalige Lage, es liegt nämlich direkt am Meer. Und damit ist direkt gemeint. Hinter dem Haus ist eine Terrasse und dann kommt das Meer- Blick aus meinem Fenster.
Die Planung bekam schon gestern Abend Risse, als ich ungläubig auf meine schrumpfende Liste der Hotels in 20-30 km Entfernung sah. Alle Hotels sind ausgebucht, gibt es doch gar nicht! Um kurz vor Mitternacht hatte ich nichts in der Hand, kein Hotel, keine Route. Ich zog die Reißleine und beschloss, in meinem menschenleeren Hotel einen weiteren Tag zu bleiben und zu planen. Denkste! Das Hotel, in dem ich beim Frühstück der einzige Gast bin, ist heute restlos ausgebucht. Die Erklärung ist in knapp 10 km Entfernung zu finden.
Heute ist der Tag der Madonna von Loreto, deshalb ist kein Hotelbett mehr frei. Es regnete und war diesig, dadurch ist die tolle Anlage nicht wirklich gut abgebildet.
Ich finde morgens um 8 dann doch noch ein Hotel und bin deshalb nur 11km gewandert.
Recanati nennt sich die Stadt der Poesie. Hier ist der in Italien weltberühmte Dichter Giacomo Leopardi geboren worden, außerdem der Sänger Beniamino Gigli. Außerdem wird hier die weltbekannte EKO Gitarre produziert. Das zumindest habe ich heute Abend beim Essen gelesen. Ich war wahrscheinlich in der schlechtesten Pizzeria Italiens.
Die Altstadt ist schön überschaubar.
Das Tollste ist der Blick aus meinem Hotelfenster auf die Stadt, die Marken und die Sbillinischen Berge im Hintergrund.
Bis die Tage! Thomas
