Freitag, 5. Februar 2010

Selinunte

Ich bin jetzt seit 25 Tagen auf dieser von Gott verlassenen Insel. Bisher habe ich kein Anzeichen menschlichen Lebens entdeckt.

Heute Morgen fand ich Spuren am Strand. Ich brach weinend zusammen, als mir klar wurde, dass es meine eigenen waren.

Heute lag ein Boot am Strand. In der Nacht müssen Menschen auf meiner Insel gelandet sein...

Tja, wenn man an einem FREITAG eine Strandwanderung macht, kann man sich schon mal wie Robinson fühlen.

Zurück zu gestern:


Ich starte in Sciacca wieder bei strahlendem Sonnenschein und habe den dritten Tag in Folge eine fantastische Wanderung vor mir. Durch das hügelige Hinterland gehe ich bei 4 bis 5 Autos pro Stunde völlig entspannt die Strecke bis nach Porto Palo.


Heute sind auffallend viele Artischockenfelder zu sehen. Ansonsten bleibt es bei Wein und Oliven. Immer wieder sehe ich Häuser in allen Phasen des Rohbaus.


Genau wie hier sieht es aber bei vielen nicht so aus, als würde in den nächsten Tagen weitergebaut werden. Erst wenn die nächste Ernte verkauft ist, kommt das Dach drauf, oder wie soll es hier weitergehen?

Die Hunde sind diesmal sehr zurückhaltend und trauen sich nicht über die Straße.


Diese beiden gehen ganz in ihrer Arbeit auf und würdigen mich keines Blickes. Mein Bild vom Beruf des Schäfers bekommt Risse. Für mich gehört zu so einer Herde Schafe ein Hirte mit Stab, der gemächlich hinter der Herde herwandert.


So sieht ein sizilianischer Schäfer aus. Ich habe aber gestern noch zwei weitere Herden getroffen und die dazu gehörigen Schäfer rückten mein Weltbild wieder gerade. Sie sahen geradezu wie der Urtyp des Schäfers aus.

Und dann überrascht mich Sizilien doch noch total.

1,5km vor Porto Palo plötzlich dieses Zeichen. Könnt Ihr Euch noch an diesen 5m langen Radweg erinnern, den ich kurz hinter Venedig fotografiert habe? Hier ist es tatsächlich ein richtiger Weg, der sich
schnurgerade und in erstklassiger Qualität durch die Landschaft zieht. Woher er aus dieser Richtung kommt, weiß ich nicht, leider stehen keine Richtungsschilder dran. Ich nehme an, dass er nach Menfi führt, der Ort, zu dem Porto Palo gehört. In der anderen Richtung endet er am Ortseingang von Porto Palo, wie ich dann feststellte. Ich bin lieber Straße gegangen, der Verkehr war auch nicht stärker und ich wußte, wo ich ankomme. Mein erster Radweg in Italien (zumindest ausserhalb der Städte)! Über meine Unterkunft breiten wir den Mantel des Schweigens, ich sage nur Einzelzelle. Leider konnte ich den gewünschten Betrag heute morgen nicht bezahlen, weil ich nicht genug Bargeld dabei hatte. Ein Bancomat war in Porto Palo nicht zu finden. Die Patrone nahm, was sie kriegen konnte und war zufrieden.


Die Hauptstraße von Porto Palo.
Ich hatte heute zwei Alternativen: Strand (etwa 10km) oder Straße (etwa 17km). Die Entscheidung fiel bereits gestern Abend, als ich auf der Suche nach einem Geldautomaten am Hafen vorbeikam und den Strand sah.

So richtig Strand ist es ja nicht, aber sowohl die Zellenwärter als auch der alte Mann, der gestern hier rumkraxelte, versicherten mir: hier kann ich lang.


Die Wanderung entwickelte sich dann recht schnell zu einer zeitraubenden Kletterpartie. Entweder ging es über die Steine oder über das Grasland, das den Hang hinauf wächst. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass der Boden am Hang fast völlig aus Lehm besteht und ich bereits nach einigen hundert Metern total verdreckt bin. Also große Wäsche heute!


Zwischendurch immer wieder richtige Strandabschnitte, auf denen ich dann auf komische Gedanken komme, wie oben zu lesen war.


Zum Teil reichen die Grundstücke der Hotels oder Privatpersonen bis fast an das Wasser und zwischen Zaun und Meer bleibt nur ein schmaler Bereich. Das Hügelland ist total durchnässt, tiefe Furchen und Risse durchziehen es und machen den Weg nicht einfacher.

Diesmal hatte ich mir den Weg auch im Satellitenbild angesehen und mehrere Bäche oder Flüsse gefunden, die auf diesem Stück ins Meer münden. Die ersten beiden lassen sich überspringen, am dritten komme ich so nicht vorbei. Etwas weiter hinten lässt sich eine Brücke erkennen, die keinen großen Umweg bedeutet.


Leider stellt sich diese als eine altersschwache Eisenbahnbrücke heraus, die seit langer Zeit gesperrt ist. Wenn die sich selbst noch hält, machen weitere 100kg auch nichts aus, denke ich mir und klettere rüber. Nix passiert. (Nicht nachmachen, liebe Kinder!)


Auf der anderen Seite verbringe ich erst einmal eine halbe Stunde damit, die gesamte Flora zu fotografieren. Als ich in Marinella di Selinunte auf die Straße treffe, komme ich an einen Schlagbaum. Von dieser Seite ist das Areal, in dem ich gerade so fröhlich herumgetrampelt bin, als ein Naturreservat ausgewiesen. Stand auf meiner Seite nicht dran, tut mir leid!


Genau deshalb war der Weg heute recht kurz gewählt. Selinunte ist eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Siziliens. Die Stadt ist im 7. Jahrhundert vor Christus gegründet worden und von den Karthagern 409 v.Chr. zerstört worden. Offenbar waren die besonders gründlich und haben keine Siedlung an der Küste ausgelassen. Im Gegensatz zu den anderen Städten wurde Selinunte aber nicht wieder aufgebaut, nur teilweise noch befestigt und bewohnt und einigen hundert Jahre später endgültig zerstört. Dadurch blieb der Grundriss der griechischen Siedlung im Wesentlichen erhalten. Auf dem östlichen Hügel standen drei Tempel. Einer davon ist in Teilen wieder errichtet worden. Im Gegensatz zu Agrigento kann man hier im Innern des Tempels herumgehen.


Da die Zuordnung der Tempel nicht klar ist, hat man sie einfach mit Buchstaben bezeichnet.


Die anderen beiden Tempel auf diesem Hügel sehen so aus.

Alle drei hatten die klassischen Maße und standen in Ost-West-Ausrichtung.


Der südliche Hügel war das eigentliche Siedlungsgebiet der Stadt. Im Zuge der Erweiterung wurde die östliche Seite des Plateaus aufgeschüttet und mit einer gewaltigen Mauer abgestützt.


Die Reste des Tempels auf der Akropolis. Hier sind nicht nur mehrere Tempel, von denen einige von nachfolgenden Siedlern umgewidmet oder überbaut wurden, sondern auch die Häuser der Griechen standen hier. Nach der Zerstörung wurde mit den Steinen die neue Stadtmauer errichtet und die Siedlung diente nur noch als befestigter Vorposten. Dadurch ist an den Grundmauern der Häuser die Siedlungsstruktur ablesbar geblieben.

Wie man allerdings hier etwas ablesen kann, bleibt mir schleierhaft und meine Hochachtung vor Archäologen wächst von Tempel zu Tempel.

Dies ist die Hauptstraße, wenn man so will. Als die Siedlung wuchs, musste eine ordentliche Struktur her. Man schuf eine Nord-Süd-Achse und rechtwinklig dazu kleinere Straßen. Das läßt sich aus der Anlage auch für mich als Laien gut erkennen.

Die halben Säulen dienten in späterer Zeit als Balken für die Decke in den Befestigungsanlagen. Man sägte einfach die Säulen archaischer Tempel der Länge nach durch und verbaute diese dann.

Dieser Spielplatz mit riesigen Anker-Bausteinen ist die nördliche Befestigung gewesen. Oberhalb der Rundbögen wurde mit den Halbsäulen ein Zwischengeschoss eingezogen.
Ich wandere drei Stunden durch die Ruinenfelder und bin wie immer stark beeindruckt. Wie man anhand der Steine auf verschiedene Funktionsweisen der Bauwerke schließen kann und noch dazu unterschiedliche Siedlungsepochen erkennen kann, nötigt mir großen Respekt ab.
Auf dem Rückweg von der Akropolis komme ich an einem Wachhäuschen vorbei, vor dem zwei junge Hunde spielen. Ich spreche sie freundlich an und streichle einen von den beiden und schwupps! Ich habe zwei Hunde.

Beide begleiten mich ein Stück. Ich denke mir, nach einigen hundert Metern werden sie wohl zurück zu Herrchen gehen. Dann schwant mir, dass ich jetzt Herrchen bin. Beide laufen in einem Abstand von höchstens 10m neben mir und vergewissern sich auch immer durch einen Seitenblick, dass ich mich noch nicht aufgelöst habe. Nach einer halben Stunde bin ich aus dem Park und habe zumindest auf den letzten Metern schon halbherzige Versuche unternommen, die beiden zu verscheuchen. Das bewirkt, dass sie sich in einer Entfernung von 15m hinsetzen und mich fragend anschauen. Am Parkausgang erkundige ich mich im Sop, ob es einen Ausgang auf der westlichen Seite gibt, leider nicht. Höchstens 5min bin ich im Gebäude, meine beiden Hunde sitzen vor derTür und jaulen.
Ich werde wohl doch nie ein richtiger Hundehasser.

Erst im Ort, als ich mir schon überlege, wie ich ins Hotel komme, ohne die beiden als Haustiere angeben zu müssen, entdecken die zwei eine Bar. Davor steht ein Raucher, der den Fehler macht, die beiden Racker zu streicheln. Bin ja gespannt, wie er das seiner Frau erklärt...
Am Sonntag ist diesmal keine Pause, ich gehe bis nach Marsala.
Ich melde mich so bald wie möglich! Thomas (21.30 Uhr, war noch leckeren Fisch essen)

Mittwoch, 3. Februar 2010

Sciacca

Nun weiß ich endlich, wo Microsoft den Bildschirmhintergrund her hat. Im Ernst, es waren zwei wunderbare Wandertage und heute eine entspannte Busfahrt bis nach Sciacca (kleine Hilfe: "Schakka" gesprochen).

Die Strecke von Agrigento nach Siculiana beträgt etwa 18km. Ich habe daraus 23 gemacht. Da der Weg aus der Stadt ziemlich verbaut ist, bin ich noch einmal an den Tempeln vorbei gegangen. Den Weg kannte ich und bis zu den Tempeln gibt es einen vernünftigen Gehweg. Immer am Wasser entlang kam ich durch Porto Empedocle. Empedokles war Einwohner der Stadt Agrigento (Akragas) und hier hat man im Hafen die Steine des Zeustempels verbaut. Nach einem kurzen aber heftigen Stück Staatsstraße überraschte mich der Ort mit einer kleinen Fußgängerzone.


Schönheitspreise gewinnt er trotzdem nicht. Hier gab es sogar mitten in der Stadt freilaufende Hunde, die über die Schnellstraße kamen um mich anzubellen.


Bereits im Ort beginnen die Klippen, die einige Kilometer weiter reinweiß die Scala dei Turchi, die Türkische Treppe bilden, ein Naturreservat, das leider nicht so ganz auf meinem Weg lag. Dafür haben wir die Kreidefelsen auf Rügen.


Die Hotels hinter Porto Empedocle haben mit diesem Ausblick wahrlich schlechte Karten. Dementsprechend verwahrlost sieht es hier auch aus. Ich hatte nicht den Eindruck, als würde man bis zum Start der Saison noch große Anstrengungen unternehmen.


Neben diesen weißen Klippen gibt es ein WWF- Naturreservat "Torre de Salsa" das gestern am Wege lag. Beim nächsten Mal ist auch Zeit dafür, da mal richtig wandern zu gehen. Auf einer kaum befahrenen Landstraße ging es nach Siculana. Gleich am Ortseingang erhebt sich diese Investruine. Das tote Ende zeigt genau auf die Stadt, die sich einen Hügel hinaufschiebt. Mir ist schleierhaft, wie man diese Straße anbinden wollte.

Als ich das Foto mache, fährt ein Mann mit seinem knatternden Mofa an mir vorbei, bremst und kehrt um. Er fragt mich wohin ich will, ich nenne den Namen des B&B. Da strahlt er und heißt mich herzlich willkommen, sein Name sei Ruben und es sei sein B&B und ob ich ihm mal 10 € für Benzin borgen könnte? Ich lüge genauso frech zurück, dass ich leider überhaupt kein Bargeld dabei habe. Ruben (oder wie auch immer) bietet mir an, mich zum nächsten Bancomat zu fahren. Mit Rücksicht auf mein Gepäck lehne ich dankend ab. Er nimmt es sportlich, grüßt freundlich "Ciao, Thomas" und ward nicht mehr gesehen. Auf Ideen kommen manche...


Ich habe mein Quartier im Trockenen erreicht, weiche dann allerdings komplett durch, als ich mir den Ort ansehe. Die für Größe der Gemeinde riesige Kirche hat einen schwarzen Christus am Kreuz. Das Warum ist bei Wikipedia zumindest auf deutsch nicht zu finden. In der Kirche winkt mich ein alter Mann heran und öffnet mir das Tor zum Baptisterium. Der Taufstein und das Taufbecken sind bei Bauarbeiten gefunden worden, ich würde sie romanisch nennen. Hier steht ein schwarzer Heiliger im Kreise der lebensgroßen Figuren, die das Taufbecken umstehen. Ich frage nach und er erklärt mir, dass er ein afrikanischer Gelehrter und Arzt war. Ich bedanke mich und ziehe angemessen beeindruckt von dannen.


Das Castello Chiaramonte ist zu einem edlen B&B umgebaut worden. Nachdem ich einen Blick hineingeworfen habe, ärgere ich mich. Die 15€ hätte ich auch noch mehr ausgeben können. In meinem Quartier habe ich eine große Ferienwohnung, die mit den beiden Lüftungen beim besten Willen nicht warm zu kriegen ist und außerdem bin ich nach meinem Rundgang derartig durchnäßt, dass die Hose auch am nächsten Morgen noch nicht trocken ist.


Gestern ging ich nach Ribera, 27km sind geplant. Ich verpasse die erste Abzweigung, schon sind es 28. Hier habe ich gerade mein erstes (und einziges) Rudel Hunde abgehängt und mein Puls ist wieder fast normal, da schmettert es von der Seite Buongiorno! Nach meiner Antwort wird dem alten Herrn, der im Olivenbaum steht und diesen beschneidet, klar, dass ich aus Deutschland bin. Er erzählt in einwandfreiem Deutsch, dass er 21 Jahre in Wuppertal gelebt und dort in einer der Chemiefabriken gearbeitet hat. Seit 27 Jahren ist er nun wieder auf der Insel. Ich erzähle von der Wanderung und dass ich heute nach Ribera will. Er zeigt mir seine Gummistiefel und meint, die Straße endet nach einem Kilometer und dann ist Lehmpiste. An meiner Stelle würde er die Küstenstraße nehmen, nicht die neue, die alte. Mein Problem bei der Planung war, dass die beiden Straße so dicht nebeneinander verlaufen, dass es wie eine einzige aussieht. Also wieder zurück und auf die Küstenstraße.


Und siehe da: Kein Auto, nirgends. Es läuft sich herrlich, auch wenn ich dafür einige Kilometer mehr gehen muss. Die Straße verläuft in großen Schwüngen mal links, mal rechts der Schnellstraße.


Ich hatte meine Hose außen auf den Rucksack geschnallt, in einer Stunde war sie trocken. Außer dem leisen Rauschen des Verkehrs auf der Schnellstraße ist Ruhe. Und die Straße ist praktisch hundefrei.


Drei der wichtigsten Anbauprodukte auf einen Streich: Wein, Mandeln und Oliven. Die Wolken drohen den ganzen Tag und sorgen für schöne Bilder. Sie können aber an sich halten und lassen mich trocken ankommen.


Am Nachmittag tauchen am Horizont richtige Berge auf, mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Auf einigen liegt sogar Schnee.


Ich habe wieder das gleiche Problem wie in Umbrien: ich weiß gar nicht, in welche Richtung ich zuerst fotografieren soll.


Einige Kilometer vor Ribera nimmt der Verkehr zu. Ribera - "Stadt der Orangen" - macht ihrem Namen alle Ehre. Rings um die Stadt werden jede Menge Orangen angebaut, der Verkehr ist hauptsächlich der Transport in die Stadt und die Fahrt mit leeren Kisten zurück.


Unterwegs habe ich in Montallbergo einen Cappuccino getrunken (wenn hier eine Bar "Barry White" heißt, werde ich neugierig) und dem Wirt von meiner Wanderung erzählt. Dabei sprach mich wieder ein alter Mann an (die sichtbare Bevölkerung besteht zu 80% aus alten Männern) und fragte mich in ausgezeichnetem Deutsch aus. Er war 73 in Berlin, traurig, wie er meint, eine Insel, umgeben von einer hohen Mauer. Das sei doch jetzt viel besser, nicht wahr? Ich kann ihm da nur lebhaft beipflichten, die Wanderung hätte ich sonst nicht machen können. Den Mut, den der Rostocker Kellner hatte ("Von Rostock nach Syrakus" von Friedrich Delius), hätte ich nie aufgebracht.
Ich verabschiede mich artig und bin fast aus dem Ort raus, da hupt es neben mir. Wenn mich nicht die Hunde fressen, bekomme ich einen Herzinfarkt von den hupenden Autos. Es ist der Herr aus der Bar, der hier wohnt und mir noch Apfelsinen schenkt, die er gerade im Garten gepflückt hat. "Hier in dieser Straße hat Goethe gesessen.",sagt er. Na danke, der schon wieder! Von Seume hat er noch nichts gehört.


Diese Straße ist damit nicht gemeint. Hier tauchen die ersten Häuser von Ribera auf.

Mein Hotel hat kein Internet. Ich versuche mühsam mit meinem Navigationsgerät eine Strecke nach Sciacca zu finden. Denkste. Ich müsste statt 20km 28km laufen und hätte trotzdem einen Gutteil Schnellstraße dabei. Dafür gibt es ein Zauberwort mit drei Buchstaben: Bus.


So bin ich also schon um 11 in Sciacca, der Stadt der Keramik. Jedes zweite Geschäft verkauft Teller, Krüge und Kacheln, einige auch in moderner Form.


Nach einer kurzen Pause in meiner Hafenspelunke genieße ich die Zeit und erkunde die Altstadt. Nein, ich habe ein sehr schönes B&B direkt am Hafen. Die Stadt ist nicht nur hinter sondern auch über mir. Eine lange, lange Treppe führt hinauf zum Hauptplatz am Rathaus. Ich kann mich nicht erinnern, jemals im Februar Appetit auf ein Eis im Freien gehabt zu haben. Mit einem großen Becher setze ich mich in die Sonne und blicke aufs Meer. (Ist das schön, wenn ich solche Sätze schreiben kann!)
Natürlich gibt es eine Kathedrale.

Hier ist gerade ein Hausfrauengeschwader mit dem Frühjahrsputz beschäftigt und sieht mich ganz vorwurfsvoll an. Ich bleibe auch gleich schuldbewußt im Eingang stehen, weil ich meine Hausschuhe vergessen habe.


Diese Kirche gehört zum ehemaligen Karmeliterkloster, das jetzt als Gefängnis dient. Daher ist die Kirche auch nicht zu besichtigen, was irgendwie einleuchtet.



Über der Stadt trohnt ein Castello, das wegen Bauarbeiten und mangels Besuchernachfrage geschlossen ist. Ich kann einen Blick auf den Innenhof werfen, wir verpassen nichts.


Durch die Straßen der Altstadt geht es wieder in Richtung Hafen. Dafür benötige ich keinen Stadtplan, ich gehe einfach nur bergab. Immer wieder ergeben sich malerische Motive im reizvollen Kontrast.


Eine Regenrinne komplett aus Ton.

Bereits im Bus bin ich an einem Bau vorbei gefahren, den ich als Gefängnis hätte durchgehen lassen.


Mein Stadtplan sagt etwas anderes. Sciacca hat Thermalquellen, die zu einem regen Badebetrieb führen sollen. Dazu entstand ein Thermalbad und ein Grandhotel Terme. Offensichtlich wollte man den Gästen auch am Abend Kultur bieten und ist mit dem Neubau eines Theaters grandios scheußlich gescheitert. Auf den letzten Metern scheint die finanzielle Puste ausgegangen zu sein, der Bau wurde nie fertig.


Hier, vor dem Thermalbad, habe ich noch einmal einen schönen Blick auf den Hafen und die Küstenlinie eingefangen.

Ich begrüße einen neuen Leser, damit habe ich gar nicht mehr gerechnet! Umso mehr freue ich mich darüber, dass mein Onkel dabei ist, der erst seit 4 Wochen Internet hat. So schnell kann es gehen...

Da es hier doch länger gedauert hat, gibt es zum Abschluss noch den heutigen Sonnenuntergang aus meinem Fenster.
Am Wochenende gibt es die nächste Ausgrabungsstätte, nur damit Ihr schon mal gewarnt seid. Seume wollte übrigens auch nach Selinunt und Sciacca, sein Maultierführer, der mit ihm aus Palermo los ritt (!), hatte andere Pläne und ließ den Küstenabschnitt rechts liegen.
Bis bald! Thomas