Donnerstag, 17. Dezember 2009

Todi

Das waren zwei Wandertage der Extraklasse! Schöne Wege, tolle Landschaften und gestern noch eine nette Überraschung zum Feierabend ließen eigentlich keine Wünsche offen. Aber der Reihe nach:
Gestern ging es von Ponte di San Giovanni aus los. Ich habe mir ja vorgenommen, die Kilometerzahl zu begrenzen, deshalb wurde in Perugia bis in diesen Vorort der Bus genommen.
Dadurch war ich schnell in der Natur und wieder in der herrlichen Hügellandschaft Umbriens. Der Weg führte in den Gemeindeverbund Bevagna. So kam ich noch einmal in Sichtweite zu Assisi und Spello, nur diesmal im Flachland zwischen den Hügeln hindurch. Der Weg war wieder mit googlemaps geplant, bei denen das hier die Via Assisi ist.

Egal wie es heißt, der Weg war richtig und gut gewählt. Ich hatte um 14 Uhr die Gemeinde Torre di Colle erreicht und nach übereinstimmenden Aussagen von PC-Planung, Handy und booking.com, über die ich das Quartier gebucht hatte, sollte die Locanda in einer halben Stunde erreicht sein. Ich ließ mir Zeit und trödelte am Kanal entlang dem Ziel entgegen. Check-in erst ab 15 Uhr. Nach gut zwei Kilometern noch kein Hinweis aufs Ziel. Ich fragte einen Mann, der mich mitleidig lächelnd ansah (meine jetzige Interpretation) und sagte, ich müsse nur den Hinweisen Sanctuario Madonna della Valle folgen. Da die Adresse genau diese Straße ist, erschien mir das auch logisch. Auf die Frage, wie weit es denn noch sei, sagte er 3km. Nach 1,5 km ging es plötzlich in die Berge. Da heißt es Madonna des Tales und dann das! Nach mehr als 3 km war kein Ende abzusehen und auch keine Spur einer menschlichen Behausung. Es gibt schon ein komisches Gefühl, wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet und man sich immer weiter von der Zivilisation entfernt. Es geht immer weiter nach oben
wie Ihr seht, hatte ich einen tollen Blick. Ab und zu gab es ein Gehöft, und jeder, den ich fragte, sagte 2 km. Dazu kam, dass ich im Abstand von 5 min in der Locanda anrief ohne das jemand ranging. Was, wenn da oben keiner ist und ich da im Dunkeln erscheine? Endlich gegen halb 4 traf ich eine Frau, die sich ziemlich sicher war und ebenfalls von 2km sprach. Weitere 2km bergauf bei schwindendem Licht. Aber siehe da, die Locanda war da und geöffnet!
Es war 16 Uhr, und mein Erscheinen bewirkte dort hektische Aktivitäten. Es dauerte eine ganze Weile, bis jemand gefunden wurde, der die Kompetenz besaß, für mich den Schlüssel vom Haken zu nehmen. Ich hatte also Zeit mich umzusehen. Die Unterkunft hat allen erdenklichen Komfort: einen großen Pool, ein sehr schönes Restaurant, Pferde, Mountainbikes, einen Tennisplatz, eine fantastische Lage und -
keine Heizung. Das erklärte dann auch die Verzögerung: in mein Zimmer wurden zwei elektrische Heizungen gebracht, die sich redlich mühten. Nach so einem Tag friere ich auch bei 22°C, zumindest bis ich etwas gegessen habe. Ich bin also nach einer heißen Dusche mit allen Sachen, die ich anziehen konnte unter die angewärmte Decke gekrochen, bis es Zeit war, essen zu gehen. Da wurde deutlich, dass ich der einzige Gast war. Ein Tisch stand direkt vor dem Kamin, der so groß war, das man einen Kleinwagen darin parken konnte und hinter mir stand ein Heizpilz. Das Essen war sehr gut und ich werde mir diese Unterkunft sicher noch einmal bei 25°C Außentemperatur ansehen.
Heute ging es nach Todi und der Tag bekommt eine 1+ als Wandertag. Es ging tatsächlich noch etwas bergauf und der Chef der Locanda sollte Recht behalten, es fing an zu schneien, naja eher zu schneeregnen.
Landschaftlich war es heute ganz sicher eines der schönsten Stücke. Auch wenn ich zwischendurch an einem Kohlekraftwerk vorbei kam, dessen Anblick ich Euch erspare. Für die letzten 10 km (wieder bei Sonnenschein) habe ich fast 3 Stunden gebraucht, weil selbst wandern zu schnell war, um die Bilder (in sich) aufzunehmen.


Eine Besonderheit in Italien sind diese Schilder.
In tutta Italia ist das Jagen gestattet, wo es nicht verboten ist. Ich bin heute auch an einer Jagdgesellschaft vorbei gekommen und wurde deutlich schneller, als die ersten Schüsse fielen. Jedenfalls hat diese Regelung zur Folge, dass an jedem zweiten Baum, Zaunpfahl, ja selbst an Verkehrsschildern diese Schilder "Jagdverbot" befestigt sind. Sogar wie hier am Privatgrundstück. Sonst kann es wohl sein, das eine Treibjagd die Zwergkaninchen der lieben Kleinen erlegt. Übrigens war auch im Federico-Fellini-Park in Rimini das Jagen ausdrücklich verboten. Ich finde, das steigert den Erholungsfaktor in einem öffentlichen Park beträchtlich.

Alte Burgen, große Landsitze und das alles malerisch verteilt. Im Prinzip war das heute ein Kursus im Italien-Klischees-Fotografieren.


Das Tollste war dann natürlich dieser Dunst, der die Hügelketten voneinander trennt. Auch wenn das Foto der Wirklichkeit nicht gerecht wird.

Nun, es ist Zeit für ein neues Rätsel. Damit die Sonne auch noch eine Chance hat vor den Ferien zu gewinnen, ist das Rätsel auch nicht zu schwer. Ihr müsst nicht um die Ecke denken sondern einfach nur rausfinden, was das hier ist.

So, genug für heute. Ich muss noch einen Weg für morgen finden. Schönen Feierabend! Thomas

Dienstag, 15. Dezember 2009

Perugia

Perugia liegt auch wieder auf einem Hügel und ist eine Stadt mit einer Vielzahl von großen Kirchen. Es ist kalt und ein heftiger Wind geht durch die engen Gassen. Ich drehe nur eine kurze Runde und bin zum frühen Nachmittag wieder zurück im Hotel. Ich habe ja noch viel zu planen.
Die Stadt ist eine Siedlung der Etrusker, deren Spuren man überall in der Stadt sehen kann. Oben sieht man den Arco Etrusco aus dem 3. Jh v. Ch. , ein mächtiges Bauwerk.
Da die Stadt sich aus der Ebene bis in fast 5oo m erhebt, gibt es überall Treppen und als Besonderheit einen Fußweg auf einem alten Aquädukt.


Auch dieser Bogen ist auf einem etruskischen Fundament erbaut. Überall in der Stadt gibt es schmale und schmalste Gassen, die durch Bögen überbaut sind.

An einigen Stellen hat man den Eindruck, die Stadt existiert auf mehreren Ebenen. Es erinnert mich an das Werk von M.C. Escher.

Da es elend kalt ist (unter 5°C) und ich ja eigentlich um diese Zeit bereits auf Sizilien sein wollte, gehe ich wieder in eine Galerie, diesmal in die Galleria Nazionale dell' Umbria. Die Gemäldesammlung ist eine der größten Italiens und wirklich sehenswert. Sie befindet sich im Palazzo dei Priori. Zwischen dem Palazzo und dem Dom, nicht im Bild, befindet sich die Fontana Maggiore. Der Brunnen ist aus dem 15./16. Jahrhundert und gilt bei den Perugianern als der schönste Brunnen der Welt. In der Vorhalle sind die beiden Originale der Figuren von der Fassade ausgestellt, Greif und Löwe. Auf dem oberen Foto sind die Figuren hinter dem Brunnen zu sehen.

Natürlich darf man auch hier im Museum nicht fotografieren, aber da konnte ich nicht an mich halten. Ich war gerade im ersten Saal als ich einen Lärm hörte, der sich wie Schafeblöken anhört. Und richtig, eine ganze Horde Erst- oder Zweitklässler kommt mit Schafsmasken auf dem Kopf in den Saal. Dahinter ein Mitarbeiter des Museums als Hirte mit Hirtenstab. Die drei begleitenden Lehrerinnen haben Hundeohren aufgesetzt und geben die Hütehunde. Eine tolle Idee, zumindest die Kinder sind begeistert
.
Neben den Gemälden und Skulpturen kann man an einigen Stellen auch noch einen Eindruck von der Funktion des alten Palazzos erkennen.
Ab morgen wird wieder gewandert. Die Route steht noch nicht. Bis nach Rom sind es 170km. Ich habe 8 Tage Zeit, wenn es nicht reicht, wird gefahren.
Ich habe mir schon gedacht, dass das Rätsel zu einfach war. Noch keine 24 Stunden und drei richtige Lösungen! Herzlichen Glückwunsch: Ein Stück Stollen und ein Glas Glühwein haben Bini, Petra und Claudia gewonnen. War wohl doch zu einfach, gerade der Hinweis darauf, dass es mir in den Schoß gefallen ist, war wohl zu viel des Guten. Das nächste Rätsel gibt es in einigen Tagen.
Ich bin ja gespannt, wo ich dann bin.
Grüße aus den Bergen!
Thomas

Montag, 14. Dezember 2009

Franz von Assisi


Franz von Assisi im Olivenhain von San Damiano

Eigentlich wollte ich heute nach Perugia wandern. Aber dann...


Gestern war ich zum zweiten Mal beim Grab von Franziskus und ,wie schon gesagt, davon sehr beeindruckt. Als ich gestern Abend die Ergänzung zum Eintrag schrieb, taute der erst so muffelige Hotelier auf und wollte mich mit aller Macht davon überzeugen, dass der Weg nach Perugia nichts zum Wandern ist. Er schildert mir in den glühendsten Farben, welche Orte und welche Sehenswürdigkeiten in Umbrien im Umkreis von 30-40 km unbedingt zu besuchen sind. Nach einer guten halben Stunde sah er ein, dass ich dafür noch ein weiteres Jahr benötige. Er holte einen Stift und Papier und schrieb mir meinen Wanderplan für den Tag und der sah so aus: Ich folge den Spuren Franz von Assisis.




Bei Niesel und Nebel ging es durch herrliche Olivenhaine (Nic, es gibt ein neues Rätsel!) zum Konvent San Damiano.

Dieses Konvent der Klarissen ist die Wirkungsstätte der Heiligen Klara, die hier auch gestorben ist. Franziskus hat sich wohl gern hierher zurückgezogen, über die Ebene geschaut und auch Gedichte geschrieben. Der gesamte Komplex ist so erhalten, wie er bis 1260 genutzt wurde, ausgetretene Stufen und Handläufe, die von ungezählten Händen poliert wurden, dazu eine einfache Einrichtung und Ausgestaltung lassen hier am Ehesten ahnen, wie Franz von Assis und die Heilige Klara gelebt und gewirkt haben.

Der Konvent liegt einen guten Kilometer südöstlich von Assisi, weitere 3 km benötigte ich bis nach Rivotorto. Hier ist das Sanctuarium Rivotorto über einem Stall errichtet worden. Die Umgebung des ganzen Komplexes ist in diesem Jahr zur 800 Jahrfeier der Franziskaner neu gestaltet worden.
.
Dieser Stall, oder die Hütte (sacro tugurio) ist nicht das Original, soll aber an dieser Stelle gestanden haben. Hier traf sich Franziskus mit seinen Gefährten um die Ordensregeln festzulegen. Der Stall ist jetzt bis zum Heiligen Abend mit einer Wand umgeben. Da ich so lange nicht warten wollte, habe ich über die Wand fotografiert.
Danach schickte mich mein Hotelier nach Spello, einem kleinen Ort, der ganz ähnlich wie Assisi an einem Berghang liegt. Da hier aber kein Heiliger gewirkt hat, kann man hier in Ruhe Urlaub machen. Die Infrastruktur dafür ist vorhanden, Assisi ist nur 11km entfernt und die Berge im Hintergrund laden zum Wandern ein.

Die Altstadt ist eng verwinkelt und ohne die Devotionalienhandlungen Assisis.

Die vorerst letzte Etappe lag dann unmittelbar am Bahnhof von Assisi. In diesem flachen Stadtteil steht die siebtgrößte Kirche der Welt Santa Maria degli Angeli. Dieses mächtige Bauwerk ist über einigen kleineren errichtet worden, die den Franziskanern seit den Anfängen gehören. Unter der Kuppel steht die kleine Kirche, deren Ausbesserung von Franziskus eigenhändig vorgenommen wurde, nachdem ihm Gott den Auftrag dazu erteilt hat. Diese Kirche war also das erste Gotteshaus der Franziskaner.


Wenn man die gewaltige Kirche darüber durchschritten hat, kann man sich in der kleinen Kirche wieder sehr gut in die Zeit von Franz von Assisi versetzen. Ihre schlichte Ausstattung und die leuchtenden Fresken bilden einen starken Kontrast zu dem Prunk, der diese Kirche umgibt.
Im Bild ganz links, etwas angeschnitten sieht man eine kleine Ecke der Sterbekapelle des Heiligen Franziskus, sie steht an der rechten Seite des Altars. Desweiteren kann man hier den Rosengarten besichtigen, in dem, nach Aussage meines Hoteliers, eine dornenlose Rose wächst. Niemand weiß, warum diese Rose keine Dornen hat, so habe ich ihn zumindest verstanden. Im Museum und im Kreuzgang war eine Sammlung von Krippen aus aller Welt ausgestellt. Aus Deutschland gab es als Beitrag eine Pyramide aus dem Erzgebirge. Ich habe für Euch das fröhlichste Exemplar fotografiert.
Nun zum heutigen Rätsel. Ich hoffe, nicht nur Nic versucht sich an der Lösung, denn eigentlich ist es ganz einfach. Die Idee dazu ist mir quasi in den Schoß gefallen. Das Foto ist ein Bilderrätsel und steht für etwas ganz anderes.

Mehr Hinweise gibt es nicht, wenn es keiner löst, gibt es Hilfe.
Morgen wird Perugia erobert, dann geht es in Richtung Rom. Die sehr nette Frau, der die Konditorei gehört, in der ich gestern den Nachmittagstee und baci di Assisi (Küsse aus Assisi) genossen habe, hat gesagt, ich soll über Silvester in der Ewigen Stadt bleiben. Sie hat vor 24 Jahren in Berlin gelebt, kennt es also nur mit der Mauer. Sie sprach ein hervorragendes Deutsch und hat mir einen Reiseführer von Rom geschenkt. Und da ich gestern gehorsam war, geht es in Rom erst am 2. Januar weiter.
Hier geht es morgen mit Perugia weiter.
Gute Nacht! Thomas




Sonntag, 13. Dezember 2009

Assisi, ergänzt


Zum dritten Advent gibt es einen Gruß aus der wunderbaren Stadt des Heiligen Franziskus. Die Altstadt besteht nicht nur aus Geschäften, Hotels und Restaurants und wird dominiert von einer Handvoll mächtiger Kirchen. Über allem wacht die Rocca maggiore, ein Kastell, das auf das frühe 12.Jh. zurückgeht. Heute also wieder Geschichte. Ich habe nachmittags/abends noch einiges zur römischen Geschichte ergänzt, Ihr findet es kursiv am Ende des heutigen Beitrags.
Die Zugfahrt (ja, zugegeben) hierher war ein Erlebnis für sich. Ich glaube nicht, dass San Severino und Assisi mehr als 60km Luftlinie entfernt sind, die kürzeste Autoverbindung wird mit 85km angegeben. Ich bin um halb 10 in den ersten Zug gestiegen und um 14 Uhr aus dem dritten in Assisi wieder ausgestiegen. Fahrzeit 100 min, zwei Stunden Aufenthalt. Der Bahnhof liegt 3km von der Altstadt entfernt in der Ebene und dadurch hat man gleich einen umwerfenden Blick auf die Stadt und ihre Kirchen. Der alles dominierende Bau ist natürlich die Kirche San Francesco, ganz links im oberen Bild.

Am westlichsten Ende des Berges wurde eine romanische Kirche errichtet, die als Grabeskirche dient. Die Kirche ist komplett mit sehr gut erhaltenden Fresken ausgekleidet. In der Krypta der Kirche befindet sich das Grab. Diese Grabkapelle ist einer der beeindruckendsten Orte, die ich bisher besucht habe. Im Innern der Kapelle steht ein breiter, aus Stein gemauerter Pfeiler, der ein flaches Gewölbe aus grob behauenen Steinen trägt. In den Pfeiler ist eine etwa türgroße Öffnung eingelassen und in der Nische dahinter liegt der Sarg, einfach aus Stein mit einem Eisendeckel. Der Kontrast zu den anderen Heiligengräbern könnte kaum größer sein. Wenigstens das Grab selbst entspricht seinen Vorstellungen und seinem Leben, was sich von dem prachtvollen Bau, der sich als obere Kirche über der Grabeskirche erhebt, kaum sagen kann.
Beide Kirchen haben den gleichen kreuzförmigen Grundriß und sind beeindruckend schnell gebaut worden. Mit der Grabeskirche hat man 1228 begonnen und war 2 Jahre später fertig, die obere Basilika entstand in 7 jähriger Bauzeit ab 1232 schon im gotischen Stil.
Vor der Kirche ist auf der Rasenfläche eine Krippe mit lebensgroßen Figuren aufgebaut worden., vor der unteren Kirche steht der Weihnachtsbaum.
Verwirrt? Dann schaut auf die Seite der Kirche: http://www.sanfrancescoassisi.org/ mal nach, gibt es zwar nur auf italienisch, aber dafür gibt es Bilder vom Inneren der Kirchen.
Das Kastell existiert sogar noch etwas länger, Erzbischof Christian von Mainz hatte die Stadt Assisi im Auftrag Kaiser Friedrich II. (Barbarossa) besetzt und erteilte den Auftrag zum Bau der Verteidigungsanlage. 1174 wurde mit dem Bau begonnen. Gut 50 Jahre später, unter einem neuen, verhassten Herrn, nutzte die Bevölkerung dessen Abwesenheit und ebnete die Burg ein. Wie das so ist: der Papst versprach keine Burg mehr zu errichten, kaum 150 Jahre später gab es die nächste. Der Punkt ist einfach strategisch perfekt, man kann in allen Richtungen die Täler kontrollieren.
Das heutige Aussehen erhielt sie im 15. Jh., als Jacopo Pichinino den westlichen Turm bauen ließ. Ihn erreicht man durch einen mehr als 100m langen Gang, der zumindest stellenweise aufrechtes Gehen möglich macht.
Außer Franz von Assisi haben die Heilige Clara (Santa Chiara), hier im Bild und San Rufino, ein Weggefährte des Heiligen Franziskus, ihre ihnen geweihte Gotteshäuser erhalten. Ich war gestern Abend in der Kapelle der Heiligen Clara, eine neu gestaltete Grabkapelle, was vielleicht mit dem Erdbeben von 1997 zusammenhängt.
Zu dem nächsten Bild gibt es gar keine Geschichte, aber Hunde und Katzen gehen doch immer, oder?
Im Zentrum der Altstadt, auf der Piazza del Comune, gibt es die Kirche Santa Maria sopra Minerva. Also Santa Maria über Minerva. Die Kirche wurde auf dem römischen Tempel der Minerva errichtet und dabei wurde die Fassade gleich verwendet.
Diese Säulen tragen also seit 2500 Jahren das Portal.
Ich setze jetzt meine Kulturrunde fort, es gilt ein Museum für römische Geschichte, das beeindruckend gestaltet ist, und die Pinakothek zu besichtigen. In der Pinakothek gab es einige sehr schöne Fresken zu sehen, die aus den Kirchen Assisis oder der Umgebung stammen. Der Clou aber (und deshalb die sofortige Ergänzung) war das Museo Forum Romanum. Untergebracht in einem unscheinbaren Haus in der Nähe der Piazza del Comune enthält es nicht nur zahlreiche Fundstücke, sondern man steigt im wahrsten Wortsinn in die Geschichte ein. Das Forum Romanum liegt heute unter der Stadt. Sein Mittelpunkt war der Tempel der Minerva. Wie man im Modell erkennen kann, lag die Fläche des Forums um einiges unter der Tempelanlage. Die Vorhalle des Tempels bildet jetzt das Straßenniveau.
So geht man also plötzlich unter Assisi auf einer römischen Straße spazieren. Links vom Laufsteg kann man die Abflussrinne entlang des Weges erkennen (oder auch nicht).Dieser Sockel trug die Sitze für das Tribunal, das vor dem Tempel abgehalten wurde. In den Löchern waren die Stühle verankert (die kleine Sitzbank im Modell).
Dieser Sockel des Gewölbes ist im Modell das überdachte Podest, das auf dem Platz in der Mitte steht. Auf der Tafel links kann man lesen, dass dieser Sockel Castor und Pollux trug, den Bürgern Assisis geschenkt von...
Morgen geht es weiter, Weihnachten will ich in Rom sein. Euch noch einen schönen 3. Advent und weil der Baum hier so schön war, noch einmal aus anderer Perspektive.
Bis die Tage! Thomas

Samstag, 12. Dezember 2009

San Severino Marche


Rosenblüte am 10. Dezember
Zugegeben, ich bin von gestern, aber den aktuellen Ort bekommt Ihr erst morgen zu sehen. Da dann Sonntag ist und dritter Advent, ist der Post schon gegen Mittag fertig. Ich habe nämlich jetzt immer sonntags wanderfrei.
Von Recanati ging es in zwei Etappen über Macerata nach San Severino. Die Wege waren lang, aber gut zu gehen. Ich habe dabei gelernt, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich mal das Geländeprofil anzeigen zu lassen, wenn man den Weg plant. Aber eigentlich habe ich keine wirkliche Wahl. Ich kann entweder auf einer geraden Straße, gesäumt von Gewerbegebieten, Fabriken und Siedlungsbrei, wandern oder in ständigem Auf und Ab über die Hügel ziehen. Damit habe ich auch wieder die Wahl zwischen Auto und Hund. Ich wählte Hügel und Hund. Das kostet Kraft und Zeit, ist es aber wert. Die Ausblicke sind wunderbar. Leider kann ich die Weite der Landschaft mit meiner Kamera nicht sonderlich gut einfangen und die Sicht ist nicht besonders.

Es riecht herrlich nach satter, feuchter Erde.
Jeder Quadratmeter wird hier landwirtschaftlich genutzt. Viele der Ackerflächen sind natürlich abgeerntet, man sieht aber noch Salat, Artischocken und Fenchel.
Olivenhaine gibt es jede Menge, auch Wein ist noch im Angebot.
Da ich jetzt nach Westen wandere, erreiche ich Macerata kurz bevor die Sonne hinter der Stadt versinkt.
Mein Hotel liegt aber eigentlich schon hinter der Stadt und der Weg war weit. So halte ich mich an den Blick aus meinem Fenster und verzichte auf den Stadtrundgang.

Gestern war der Tag der Nase. Den ganzen Tag klarte es nicht richtig auf, die Temperatur lag bei etwa 5°C. Der Dunst war aber gar nicht wetterbedingt sondern selbst gemacht. In vielen Feuern wurde feuchtes Laub verbrannt, den Geruch bekam ich den ganzen Tag nicht aus der Nase. Etwa 6 km vor San Severino mündete mein Weg auf eine strada provinciale, an der eine große Müllkippe liegt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so etwas gerochen habe! Da die Straße in Serpentinen den Berg hinunter führte, konnte ich immer mal wieder eine Nase voll nehmen. So, dass musste jetzt mal sein. Immer nur schöne Landschaften geht nicht.
Noch etwas Gemeines zum Schluss; ich will hier nicht alleine leiden. Seit 3 Tagen habe ich ein Lied im Ohr, das ich nicht zu den Top 100 meiner persönlichen Charts rechnen würde. Ich mache morgens die Augen auf, das Lied ist da. Da ich weiß, dass die bloße Erwähnung des Titels bei dem Einen oder der Anderen das Gleiche auslöst, kommt hier die Info: Bata Ilic sang vor gefühlten 50 Jahren davon, dass er der Knopf an der Bluse sein will. Es ist schon etwas schräg, wenn man hier an den Bauernhöfen vorbeizieht und dieses Lied singt...
Apropos singen: Der so schnöde als Sänger titulierte Beniamino Gigli aus dem letzten Post ist 40 Jahre lang einer der größten Opernsänger gewesen, bevor er 1954 mit einem grandiosen Konzert von der Bühne trat.


Noch zwei kleine (weil unscharfe) Bilder von San Severino.
Morgen mehr, schlaft gut (ich habe übrigens die Zeitangabe korrigiert) Thomas