Freitag, 5. März 2010

Roma - Ankommen und Abschied

Draußen regnet es und in der ARD wollen fünf junge Menschen gern nach Oslo. Also gibt es schon mal einen Post aus Rom, heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Von Neapel nach Rom sind es knapp 190km. Ich gönne mir mal den italienischen ICE, der in 75min in Rom eintreffen soll. Der Zug kommt schon aus Reggio di Calabria, hat also schon 500km hinter sich und kommt absolut pünktlich an und startet auch pünktlich.


Innen italienisches Design, eine echte Wohltat nach den abgefahrenen Regionalzügen bisher. Es gibt extra Leselampen und die Temperaturanzeige hat 5 Stellen nach dem Komma. Der Zug schafft 35min Verspätung auf der Strecke. Wandern wäre fast genauso schnell gewesen.

Ich freue mich riesig wieder in Rom zu sein.


Auf dem Weg zum Hotel komme ich schon an Santa Maria Maggiore vorbei, eine der Patriarchalbasiliken Roms. Genau wie San Giovanni gehört sie zum exteritorialen Gebiet des Vatikans. Erbaut wurde sie zwischen 432 und 440, auch wenn sie von außen nicht so aussieht.

Der Campanile ist der höchste romanische Glockenturm in Rom. Am Nachmittag ist ein Chor aus Bayern bei der Probe in der Basilika. Ich gehe am Abend noch einmal vorbei und komme gerade zum Abschluss eines Gottesdienstes an. Eigentlich fühle ich mich ja bei solchen Anlässen als Eindringling, aber die Kirche ist so voll und strahlend erleuchtet.

Der Anblick ist überwältigend. Zwei Herren in Rot halten den Gottesdienst ab. Als alles vorbei ist, sehe ich, dass 90% des Publikums Kirchenvertreter sind. Nach dem Programmheft war heute "Ora Eucaristico Mariana" Das Interessanteste waren die "Kostüme" der Teilnehmer. Neben den klassischen Roben, die man so kennt, gab es einiges, was mir neu war.

Die Herren sahen ein wenig wie Kreuzritter aus. Auch der Herr im Mantel hatte ein braun-beiges Wams mit einem rotweißen Kreuz darauf an. Keine Ahnung, zu welchem Verein die gehören.

Früh geht es gleich ins Forum Romanum und auf den Palatin. Ich nehme mir drei Stunden Zeit und lasse mich treiben.

Der schmucklose Kasten ist die Kurie, der Sitz des Senats gewesen. Viele Stellen sind abgesperrt und werden wieder saniert. Links im Bild der Septimius-Severus-Bogen. Ich höre, wie eine Reiseleiterin erzählt, dass man bei Probegrabungen auf 33 verschiedene Siedlungsschichten gestoßen ist. Das wirft dann natürlich die Frage auf, welche der Schichten man frei legt.


Ich habe keinen Plan dabei und genieße einfach die Ausgrabungen. Ich kann mich an einiges noch erinnern.


Der Tempel des Romulus grenzt direkt an eine Kirche, von der aus man durch ein Fenster in den Tempel blicken kann. Das erste Bild von heute ist die Decke des Tempels.
Daneben ist die Maxentius-Basilika, ein gewaltiger Bau, auch wenn nur noch die Hälfte steht. Das Gebäude war keine Kirche sondern diente wahrscheinlich als Empfangshalle.

Vom Palatin hat man einen schönen Blick über das gesamte Forum und noch weiter. Das große Gebäude links ist das Senatsgebäude auf dem Capitol. Durch einen unterirdischen Gang bin ich zum Jahreswechsel aus den Capitolinischen Museen unter dem Gebäude durchgegangen und habe aus den beiden großen Bögen damals die ersten Fotos des Forums gemacht.


Der Palatin war der Wohnhügel der Kaiser. Die Kuppel im Hintergrund ist der Petersdom. Links vom Foto geht es runter zum Circus Maximus.


Der Palatin gilt als der eigentliche Gründungsort der Stadt Rom. Auf jeden Fall ist er der älteste Siedlungsgrund der Stadt. In der Antike stand hier auf dem Hügel inmitten der prächigen Kaiservillen eine Hütte, die als die Hütte von Romulus galt. Hier auf dem Foto das private Stadion auf dem Hügel.

Von hieraus gehe ich zum Colosseum. Eigentlich muss das nicht sein, aber es ist im Preis inbegriffen und bezahlt ist bezahlt. Da ich mich mit meiner Eintrittskarte nicht mehr anstellen muss, geht es sehr schnell.

An mehreren Stellen in Rom kann man sich mit Herren in historischen Kostümen fotografieren lassen.

Der Triumpfbogen des Konstantin.

Das Colosseum ist grandios. Der Innenraum war ursprünglich nicht in Kellerräume unterteilt, so dass er geflutet werden konnte um Seeschlachten nachzustellen.

Insgesamt bot das Theater Platz für 50.000 Personen. Ganz so viele Touristen waren nicht vor Ort.



Offensichtlich ist das Colosseum noch bewohnt. Einige Demonstranten haben sich außerhalb des Gitters in der ersten Reihe niedergelassen und sind mit Zelt auf einen längeren Zeitraum eingerichtet. Die Carabinieri, die den Platz regelmäßig kontrollieren, haben damit offensichtlich kein Problem. (Die Demonstranten waren heute-Samstag- immer noch da).
Kommen wir zu dem weinenden Auge. Es heißt nun von zwei guten Begleitern Abschied nehmen. Sie haben mich von Kolin aus an jedem Wandertag sicher und gut getragen. Nach gut 175okm geht es nun nicht mehr weiter. Ich habe sie heute mit ins Forum Romanum genommen,

meine Wanderschuhe, und sie dann auf dem Palatin mit herrlichem Blick auf die Stadt (im Mülleimer) begraben.
Der nächste Post folgt in zwei Stunden. Thomas

Mittwoch, 3. März 2010

Vesuvio

Heute morgen war wieder kein Stück blauen Himmels zu sehen. Also werden drei Ausstellungen geplant. Ich gehe los und bin platt: Der Vulkan ist bestens zu sehen, die Wolken sind deutlich höher. Also zurück ins Hotel und Wanderzeug angezogen.


Wenn man wie ich zu faul zum Wandern ist, kann man vom Hauptbahnhof mit der Circumvesuviana fahren. In Ercolano gibt es einen Shuttleservice mit Minibussen, der direkt zum Parkplatz am Kraterrand fährt.


Von hier aus geht es in knapp 20min zu Fuß bis zum Kraterrand. Seit knapp 10 Jahren werden Wanderwege im Vesuvio Nationalpark angelegt. Zwischen einer einfachen Ein-Stunden-Tour bis zum Tagesausflug ist alles dabei. Dafür fehlen mir heute Geduld und Zeit.



Der Parkplatz ist in 1000m Höhe und von hier reicht der Blick über den gesamten Golf von Neapel. Im Hintergrund die bergige Insel ist Ischia.


Der Blick zurück geht bis zu den Bergen im Innland, die Schneegipfel sind auf dem Foto allerdings nicht zu erkennen. Mit mir ist im Bus nur noch ein Pärchen unterwegs. Oben auf dem Parkplatz stehen allerdings vier Busse; Franzosen und Amerikaner kommen mir auf dem Weg entgegen. Die Fahrt nach oben kostet 16,50 €. Die 4,50 € Eintritt in den Park, die man seit 2005 bezahlen muss, sind da schon mit drin. Die Wand vor den Bergen ist der Kraterrand des Monte Somma, des ursprünglichen Vulkans, in dessen Caldera dann der Vesuv entstand.


Hier oben fegt ein kalter Wind. Zum Glück habe ich mich polarmäßig angezogen. Ich fand den Besuch des Etna spannender. Mit seinen ganzen Nebenkratern war die Gegend viel abwechslungsreicher. Ich hatte da aber auch einen kompetenten Führer, der uns eine Menge gzeigt und erzählt hat. Was ich heute hier mache, ist die klassische Touristenroute:" In einer Stunde sind alle wieder im Bus!" Allerdings sind die Ausblicke hier wunderbar.



Der Krater ist groß, zu groß für mein Objektiv. An der Kraterwand steigt an zwei Stellen leichter Dampf auf. Eigentlich gibt es ein Programm, die Kernzone zu "entvölkern". In dieser Zone der höchsten Gefährdung leben 600.000 Menschen, von denen 150.000 umgesiedelt werden sollen. Dafür sind Prämien in Höhe von 30.000€ ausgesetzt worden, ohne wirklichen Erfolg. Im Gegenteil: In den letzten 20 Jahren sind 50.000 Häuser illegal errichtet worden. Soll ich mich auch wieder über den Müll entlang der Straße aufregen? Seit vier Monaten bin ich in Italien und immer wieder kann ich mich darüber ereifern.


Der Vulkan wird ständig überwacht. Der Bus ist am Observatorium vorbeigefahren, in dem die gesamten Daten erfasst werden.



Im Jahre 1880 wurde auf den Vulkan eine Seilbahn, die Funicolare del Vesuvio, gebaut. Anläßlich ihrer Einweihung entstand das Lied "Funiculi, funiculà". Die Überreste der Seilbahn, die nach dem letzten Ausbruch des Vulkans 1944 nicht wieder in Betrieb ging, sind hier noch zu sehen.


Der Blick reicht bis Sorrento und Capri. Bei richtig klarer Sicht muss es einfach fantastisch sein.


Das ganze Gebiet im Tal ist dicht besiedelt. Bereits beim Wandern hatte ich ja schon keine Chance zu erkennen, wo der eine Ort aufhört und der nächste anfängt. Nach 90min fährt der Bus zurück.
Der Fahrschein von Ercolano gilt für zwei Stunden.
Ich kann also in der Stadt noch Metro fahren und mit der Standseilbahn. Da die Stadt sehr hügelig ist, gibt es drei verschiedene Seilbahnen.


Die Stationen liegen im gehobenen Quartier und sehen entsprechend edel aus.


In drei Etappen werden knapp zweihundert Höhenmeter überwunden. Hier oben sind zwei weitere Anlaufstellen der "Ritorno al Barocco" - Zurück zum Barock- Ausstellungen.


Die erste ist in der Villa Floridiana, einem schönen Park mit herrlichem Blick über die Stadt. Leider hat die Ausstellung nur am Vormittag geöffnet. Hier ist das Kunstgewerbemuseum untergebracht, hätte mich schon interessiert.


Der zweite Ort ist eines der vier oder fünf Kastelle, die die Stadt hat. Castello Sant'Elmo ist eine mächtige Trutzburg mit einer tollen Panoramaterrasse.


In den Räumen sind Kunstwerke ausgestellt, die in der letzten Zeit restauriert wurden. Die Farben der Bilder haben eine Leuchtkraft, die einfach überwältigend ist. Das hier ist eine "Maschine", die vierzig Stunden lief.(?) Ich habe keine Ahnung wie und warum. Aus der Beschreibung ging nur hervor, dass es etwas mit der Osterzeit zu tun hat. Es ist auch überhaupt keine Mechanik zu erkennen. Weder die italienische noch die englische Fassung des Textes helfen mir weiter.


Die Terrasse ist riesig. Das ganze Dach des Kastells ist eine einzige Aussichtsplattform.


Leider kann die Kamera den Eindruck nur sehr schwach wiedergeben. Ich würde jetzt gern noch einige Tage hier bleiben. Die Stadt hat kein Zentrum, sondern verschiedene Zentren, hatte ich das schon erwähnt? Langsam entdecke ich einige der Zentren und andere Facetten der Stadt. Leider ist Rom schon gebucht.

Der Berg im Hintergrund ist wieder Ischia.
Die Sonne geht unter, kein kitschiger Sonnenuntergang diesmal. Einige Tropfen fallen, Regen war eigentlich für den ganzen Tag angesagt. Von hier aus geht es mit einer anderen Seilbahn in die Stadt zurück. Ich habe von hier oben einen Kirchen-Kloster-Komplex entdeckt, den ich mir noch anschauen will.

Die Kirche gehört zum Klarissenkloster und ist ein schnörkelloser gotischer Bau. Die Toiletten und den Friedhof habe ich diesmal ausgelassen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die Kirche Gesu Nuovo, Neue Jesuskirche, deren Fassade

schon recht ungewöhnlich ist. Mir fehlt gerade der Fachbegriff dafür. Im Innern ist sie wieder Barock pur.

Im Kunstgewerbemuseum hatte ich ja gehofft, noch etwas über die Neapolitanischen Krippen zu erfahren. Hier, in der Straße zum Bahnhof, finde ich eine Menge Geschäfte, in denen man Krippenfiguren kaufen kann. Es beginnt bei 5 bis 10cm großen Figuren und endet bei Figuren, die fast einen Meter groß sind. Die drei Weisen kosten in einer sehr aufwändigen Variante und in der Größe von 20cm 200€. Das finde ich bei dem Aufwand und dem Materialeinsatz nicht zu teuer. In einigen Läden kann man zusehen, wie an den Puppen gearbeitet wird.


Man kann sich vom Vesuv natürlich auch ein schönes Andenken mitbringen. Mein Favorit ist der Jesuskopf mit blauen Haaren und Bart und silberner Dornenkrone. Oder doch lieber der blaue Vulkan im Vordergrund? Alles so schön bunt hier, ich kann mich gar nicht entscheiden!

Morgen fahre ich nach Rom. Ich habe diesmal länger gesucht und ein tolles Quartier direkt in Zentrum gefunden. Den nächsten Post gibt es am Samstag. Gute Nacht! (23.15 Uhr) Thomas

Dienstag, 2. März 2010

Napoli

Napoli ist laut, Napoli ist ein reines Verkehrschaos, Napoli ist toll. Mit jeder Stunde gefällt mir die Stadt besser. Einziger Wermutstropfen ist bisher, dass sich der olle Vulkan in Wolken hüllt und immer nur mal nachmittags kurz zu sehen ist.


Bei der Ankunft am Fährterminal war er herrlich zu sehen, in den letzten beiden Tagen hat er sich rar gemacht. Ich habe um einen Tag verlängert und hoffe auf morgen.


Auf dem Weg vom Hafen zum Hotel gehe ich die Prachtstraße Corso Umberto I. entlang. Die Pracht leidet zur Zeit unter der Großbaustelle U-Bahn. Eigentlich ist es gar keine richtige U-Bahn, sondern eine unterirdische Regionalbahn, mit der man bis nach Salerno fahren kann.



Entlang der Straße stehen prachtvolle Bürgerhäuser, bestens in Schuss. An jeder freien Ecke und auf jedem freien Platz ist Trödelmarkt. Getrödelt wird mit allem, das meiste davon ist wirklich Trödel.


Beim Blick in die Baugruben wird schnell klar, dass so ein U-Bahnbau einige Jahre dauern kann. Die Stadt ist auf römischen und wer weiß was noch für Siedlungen gebaut und die werden akribisch erfasst und untersucht.


Gestern zogen dunkle Wolken über die Stadt und blieben dann am Vulkan hängen. Ich bin also durch die Stadt gezogen. Ich hatte Euch ja vorgewarnt, dass die ganze Stadt im Barockfieber ist und in 5 Museen Ausstellungen laufen, dazu eine unüberschaubare Kirchen aus der Zeit. Vorher aber ein Abstecher in das Castello Nuovo. Hier ist das Stadtmuseum untergebracht und eine ganze Menge Stadtverwaltung. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 13. Jahrhundert, als die Franzosen die Herren in Neapel waren.


Der Blick von der Dachterrasse des Kastells zeigt wieder eine Baugrube mit eingepackten Ausgrabungen in der Mitte. Der Knüller ist hier im Kastell aber der Saal der Barone.


In 28m Höhe ist dieses wunderschöne Gewölbe zu bewundern. Der Saal wurde 1330 gebaut und von Giotto mit Fresken komplett ausgemalt. Von diesen und dem figürlichen Schmuck hat nichts überdauert.


Im Museum ist das Bronzetor der Festung ausgestellt, in dem eine Kanonenkugel steckt. Der Witz daran ist nur, dass das Tor von den Franzosen als Kriegsbeute mitgenommen wurde. Das Schiff ist dann von den Genuesen aufgebracht worden und bei dem Beschuss ist das Tor wahrscheinlich getroffen worden.


Direkt neben dem Kastell befindet sich eines der Schlösser der Neapolitanischen Könige. Hier ist die erste Ausstellung zu sehen. Architekturzeichnungen, Malerei und die Prunkgemächer sind im Angebot.


Beeindruckend ist schon das Treppenhaus, in dem man noch fotografieren darf. In der Schlosskapelle ist eine Neapolitanische Krippe mit weit über 100 Figuren aufgebaut. Ich habe ja versprochen, dass es keine Fotos von Krippen mehr gibt.


Der Platz vor dem Schloss wird auf der anderen Seite durch einen Bau begrenzt, der irgendwie bekannt scheint. Da hat man sich mal beim Pantheon in Rom bedient und die Kolonaden geben so ein wenig Petersplatz-Feeling. Die Kirche ist dem Hl. Franz von Assisi geweiht.



Etwas weiter am Ufer entlang, das nächste Kastell. Dieses Kastell steht auf einer Felseninsel. Der Rest der Insel ist mit kleinen Restaurants vollgestopft.


Davor ein kleiner Yachthafen und hinten ist der publikumsscheue Berg mal wieder zu sehen. Allerdings sind die Wolken um den Gipfel so hartnäckig, dass es sich nicht lohnt. Ich bin auf Capri mit dem Sessellift auf den höchsten Berg gefahren und als ich losfuhr, zog oben eine Wolke auf. Die blieb dort den Rest des Nachmittags. Für so ein Erlebnis ist der Weg auf den Vesuv dann doch zu aufwändig.


Das Kastell kann besichtigt werden. Welchem Zweck das Gebäude heute dient, ist an keiner Stelle ersichtlich. Das erste Bild des heutigen Posts ist auch hier entstanden.



Heute früh war strahlender Sonnenschein, leider nur über der Stadt. Ich bin mit dem Bus zum zweiten Schloss hoch über der Stadt gefahren. Nach einer halben Stunde hatte ich etwa 500m zurückgelegt. Ich bin dann doch lieber zu Fuß gegangen und hatte den Bus immer gut im Blick. Das Museo di Capodamonte ist in einem riesigen Palast untergebracht und zeigt neben der Pinakothek auch Porzellan und Grafik. Hier habe ich tatsächlich fast den ganzen Tag verbracht.


Der Park ist gewaltig und man hat einen herrlichen Blick über die Stadt und die ganze Küste entlang. Der Friseur, bei dem ich heute war, hat mir erzählt, das auf dem anderen Vulkan, den Phlegräischen Feldern verstärktes Grummeln zu hören ist und auch wieder Dämpfe aufsteigen. Nicht nur in Amerika ist die Erde aktiv. Neapel ist von vulkanisch aktiven Gebieten also umzingelt.

Nachdem gestern die Gegend eher die hochpreisige Boutiquengegend war, ging es heute durch die normalen Wohngegenden. Hier wird wirklich jedes Klischee erfüllt, das man vom italienischen Süden hat. Wäsche auf und über der Straße, kleine Werkstätten im Erdgeschoss, Radio- oder Fernsehgeräusche aus den Fenstern. Gespräche unter Nachbarn werden auch über Etagen geführt und sind grundsätzlich öffentlich. Ich habe ein wenig das Gefühl, mit schmutzigen Schuhen über den Wohnzimmerteppich zu laufen und traue mich nur ein Foto zu machen.

Die Kathedrale kommt etwas überraschend. Die Straße ist nicht sehr breit und verstopft mit PKW und Motorrollern. Plötzlich öffnet sich ein kleiner Platz und strahlend hell steht die Cattedrale di San Gennaro da. Das Highlight hier ist das Baptisterium, das als das älteste der Christenheit gilt, älter als das vom San Giovanni di Laterano in Rom.

Nach jahrelangen Restaurierungen ist es jetzt wieder geöffnet. Leider sind große Teile der Mosaike nicht mehr vorhanden. Die zu sehen sind, sind allerdings wunderbar und von einer Leuchtkraft und Qualität, die mich begeistert. Das Foto wird dem nicht mal im Ansatz gerecht.

Morgen gibt es entweder eine Ergänzung zu dem Napoli-Text, oder dann doch die Bilder vom Vesuv.
Gemeinschaftsklo ist eine nette Idee, aber nicht makaber genug. Jetzt kommt die Lösung:

Was Ihr hier seht, ist der Friedhof der Klarissen. War eine Nonne verstorben, wurde ihre Leiche auf einen dieser "Stühle" gesetzt und verweste dort. Die Körperflüssigkeiten wurden in einem speziellen Behälter gesammelt. Wenn nur noch das Skelett übrig war, wurde es in das Ossarium geschafft. Das ist ja schon makaber aber der Hammer kommt noch: Die Nonnen begaben sich täglich an diesen Ort um zu beten und über die Vergänglichkeit des Lebens zu meditieren, egal ob da eine Leiche saß oder nicht.
Ich wollte ja nicht mehr über Müll schreiben. Aber gestern Abend fand vor meinem Fenster ein Feuerwehreinsatz statt. Hier wurde der Müll gelöscht, der nach dem Trödelmarkt aufgehäuft wurde.

Bis morgen! Thomas